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České Budějovice - Stadtbesichtigung
- Přemysl-Ottokar-II.-Platz

České Budějovice - Ein Blick auf den Přemysl-Ottokar-II.-Platz vom Schwarzen Turm aus., Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Der logische Ausganspunkt für unsere Kennenlerntour durch Budweis ist der Přemysl- Ottokar-II.-Platz. Er soll eine quadratische Form haben, was nicht ganz der Wahrheit entspricht - der Platz ist auf einer Seite etwa 132 m und auf der anderen ca. 137 m lang. Er wurde bereits bei der Stadtgründung errichtet und diente vor allem als Marktplatz und Austragungsort für Feste und natürlich auch Hinrichtungen. An den Richtplatz erinnert der sog. Irrstein nahe der Platzmitte. Er stammt aus dem ursprünglichen Kopfsteinpflaster, das 1939 durch Keramikpflaster ersetzt wurde, das den Platz bis heute bedeckt.

Irrstein

An den Irrstein knüpft sich eine Legende, die besagt, dass derjenige, der nach zehn Uhr abends über den Stein steigt, nicht mehr nach Hause findet. Der Stein ist einfach zu finden - er ist im Pflaster in der Nähe des Samson- Brunnens versenkt, so dass ein jeder die Wahrheit dieser Legende selbst überprüfen kann. Es ist jedoch nicht so einfach - die Legende enthält die raffinierte Bedingung, dass der Stein unwissentlich überstiegen werden muss.

Samson-Brunnen

České Budějovice - Samson-Brunnen, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Genau in der Mitte des Platzes ist das nächste wichtige Wahrzeichen von Budweis zu finden - der Samson-Brunnen. Das prächtige Barockwerk wurde zwischen 1721 und 1727 erbaut. Es besteht aus einem Steinbecken, das mit 17 m Durchmesser zu den größten Brunnen Tschechiens gehört. Den Springbrunnen zieren vier Wasserspeier sowie vier Atlanten- Statuen, die eine große steinerne Muschel tragen. Darauf erhebt sich ein Sockel mit einer Plastik des mit einem Löwen kämpfenden biblischen Samson. Im Zuge der Generalsanierung im Jahre 1999 wurde der Brunnen mit farbiger Beleuchtung ausgestattet und alle Statuen durch Kopien ersetzt. Die Originale wurden im Rathaus deponiert.

Der Samson-Brunnen ist ein Werk des Bildhauers Josef Dietrich (1677 - 1753) und des Steinmetzmeisters Zachariáš Horn. Nicht zu vergessen der wichtige Mann im Hintergrund, ein gewisser Franz Baugut. Dieser lieferte die Pläne für die Lage, Abmessungen und wahrscheinlich auch die Gestaltung des Brunnens. Gleichzeitig initiierte er auch den Bau des städtischen Wasserwerks, aus dem der Brunnen gespeist wurde. Die gesellschaftliche Stellung dieses hochgebildeten Mannes könnte heute für manch einen überraschend klingen: Baugut war ein Jesuit aus Jindřichův Hradec (Neuhaus).

Barockrathaus

České Budějovice - Das barocke Rathaus - ein Detail der Fassadenverzierung, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Der Přemysl- Ottokar-II.-Platz wird rundum von 48 Häusern gesäumt, die alle über Laubengänge verfügen. Einige davon verdienen eine nähere Betrachtung: Am markantesten sind die drei Türme des prächtigen Barockrathauses im südwestlichen Teil des Platzes. Es ist ein ursprünglich im Renaissance-Stil errichtetes Bauwerk aus dem Jahre 1558, das zwischen 1727 und 1730 im Barockstil umgebaut wurde. Die Attika zieren Plastiken der vier Tugenden - Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigkeit - von dem Budweiser Bildhauer Josef Dietrich. Die Atmosphäre des Stadtzentrums untermalt seit 1995 ein im mittleren Rathausturm angebrachtes Glockenspiel. Es besteht aus 16 computergesteuerten, von 8 bis 60 kg schweren Glocken. Es kann je nach Tages- oder Jahreszeit bis zu achtzig Melodien spielen. Das Glockenspiel wurde von dem Unternehmen Perner aus Passau hergestellt, das mit der Stadt historisch verbunden ist, da es hier zwischen 1772 und 1945 angesiedelt war.

Man kann im Laubengang des Rathauses einen in die Wand eingelassenen eisernen Streifen sehen. Es handelt sich um das Etalon eines historischen Maßes - der sog. Wiener Elle (77,8 cm). Bemerkenswert ist auch die Gedenktafel in der Frontwand des Rathauses, die an den Halt des Präsidenten T. G. Masaryk erinnert, den er hier 1918 auf seiner Zugreise zurück in sein Vaterland machte.

Wir empfehlen Ihnen, sich das Rathaus auch von Innen anzusehen. Dort können Sie nicht nur die gelungene Kombination des modernen Rathausanbaus mit der alten Architektur bewundern, sondern z. B. auch das Original der Samson-Statue vom Brunnen auf dem Marktplatz, die Originale der die Tugenden darstellenden Statuen der Attika des Rathauses, eine große Tapisserie des Malers Cyril Bouda u. ä. Einen tollen Ausblick auf die Stadt bietet Ihnen die Aussichtsterrasse auf dem Dach des Gebäudes.

Außer dem Rathaus gehörten früher alle anderen auf dem Platz stehenden Häuser reichen Budweiser Bürgern und einige davon waren sogar in Adelsbesitz. Der Adel baute (vor allem im 16. Jahrhundert) alte gotische Häuser aus der Zeit der Stadtgründung zu Residenzen um. Deshalb verfügen die meisten der Häuser bis heute über einen gotischen Kern und die ursprüngliche Raumaufteilung.

Hotel Zvon

České Budějovice - Ein markanter Punkt an der gegenüberliegenden Seite des Platzes ist der dreiteilige Gebäudekomplex des Hotels Zvon, Foto: Archiv Vydavatelství MCU s.r.o.Ein markanter Punkt an der gegenüberliegenden Seite des Platzes ist der dreiteilige Gebäudekomplex des Hotels Zvon. Das mächtigste der drei Bauwerke war einst eine Einkehrwirtschaft, in der seinerzeit Kaiser Josef II. übernachtet hatte. Seine heutige, aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts stammende Gestalt verdankt das Hotel jedoch dem Umbau nach einem Großbrand.

Anknüpfend an die drei Gebäude des Hotels Zvon folgt auf der rechten Seite das hohe, diese Seite des Platzes abschließende Palais Včela.

Auf dem Marktplatz befindet sich natürlich noch eine ganze Reihe weiterer architektonisch und historisch wertvoller Häuser, die wir hier jedoch nicht alle aufzählen können. Stellvertretend für alle anderen erwähnen wir deshalb zumindest das Haus Prindl, ein Eckhaus an der Mündung in die Krajinská Straße. Es zeichnet sich durch steinernes Maßwerk aus der Zeit der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert aus. Zum Höhepunkt der bürgerlichen Spätgotik gehört das Haus Nr. 55/15 aus dem Jahre 1493 mit einer eigenen Kapelle an der Nordseite des Platzes.

Die moderne Architektur aus der Zeit der Tschechoslowakei vor dem Zweiten Weltkrieg vertritt das im Zentrum der Stadt stehende, gelungene funktionalistische Gebäude der Česká spořitelna (Sparkasse) aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es gilt in Fachkreisen als das beste funktionalistische Bauwerk Südböhmens.